„Sie sehen aber gar nicht blind aus.“ „Darf ich das für Sie machen, das ist bestimmt schwierig für Sie.“ Solche Sätze sind oft gut gemeint – und trotzdem Ausdruck von : der Vorstellung, dass ein Leben ohne Behinderung der Normalfall und damit erstrebenswerter sei, während Behinderung automatisch als Defizit gilt. Ableismus zeigt sich selten in offener Feindseligkeit, sondern meist in kleinen, oft unbewussten Handlungen und Haltungen.
Wie sich Ableismus im Alltag äussert
Typische Beispiele sind Bevormundung – etwa, wenn Begleitpersonen angesprochen werden statt der blinden Person selbst –, aber auch strukturelle Barrieren wie fehlende im Kino, nicht screenreader-taugliche Websites oder Stellenausschreibungen, die Sehbeeinträchtigte von vornherein ausschliessen, ohne dass dies fachlich nötig wäre. Auch übertriebenes Mitleid oder die Reduktion einer Person auf ihre Beeinträchtigung – „die tapfere blinde Frau“ – gehört in diese Kategorie. Ebenso ableistisch kann das Gegenteil sein: Menschen mit Sehbehinderung werden als „Superhelden“ dargestellt, die ihre Situation angeblich mühelos meistern, was den Druck erhöht, immer stark und unbeschwert zu wirken.
Wichtig ist: Ableismus ist meist kein böser Wille, sondern das Ergebnis von wenig Kontakt und tief verankerten gesellschaftlichen Vorstellungen darüber, was ein „normales“ Leben ausmacht. Genau deshalb lässt er sich auch abbauen – durch Wissen, Begegnung und Reflexion.
Was jede und jeder Einzelne tun kann
Ein erster Schritt ist, blinde und sehbehinderte Menschen direkt anzusprechen statt über sie hinweg, und Hilfe anzubieten statt sie ungefragt zu leisten. Ebenso hilfreich ist es, eigene Annahmen zu hinterfragen: Nicht jede sehbeeinträchtigte Person möchte oder kann dieselben Dinge tun oder lassen. Unternehmen und Organisationen können strukturellen Ableismus abbauen, indem sie von Anfang an mitdenken, statt sie als nachträgliche Pflichtübung zu behandeln.
Blindklusiv setzt genau hier an: Mit unseren Sensibilisierungsanlässen schaffen wir direkte Begegnungen zwischen sehenden und sehbeeinträchtigten Menschen – oft der wirksamste Weg, um Vorurteile abzubauen und ein echtes Verständnis für zu entwickeln.
- Ableismus zeigt sich oft unbewusst, in Sprache und Verhalten
- Bevormundung und übertriebenes Mitleid sind ebenso problematisch wie offene Diskriminierung
- Begegnung und Sensibilisierung helfen, Vorurteile abzubauen