Blog · Partizipation · 11. Juni 2026

Nichts über uns ohne uns: Warum Partizipation bei der Produktentwicklung kein Nice-to-have ist

Ob App, Verpackung oder öffentliches Gebäude: Angebote werden oft für, aber nicht mit Menschen mit Sehbehinderung entwickelt. Warum sich das ändern muss und wie echte Partizipation in der Praxis aussieht.

Viele gut gemeinte Produkte scheitern im Alltag von Menschen mit Sehbehinderung an Kleinigkeiten: ein Kontrast, der zu schwach ist, eine App, die sich nicht mit dem bedienen lässt, ein Automat, dessen Tasten keine taktile Unterscheidung bieten. Häufig liegt der Grund nicht an fehlendem gutem Willen, sondern daran, dass Betroffene erst getestet werden, wenn das Produkt bereits fertig entwickelt ist – wenn überhaupt.

Was echte Partizipation bedeutet

meint mehr als eine Umfrage am Ende eines Projekts. Es bedeutet, Menschen mit Sehbehinderung von der Konzeptphase an einzubeziehen: bei der Ideenfindung, bei ersten Prototypen und bei der laufenden Weiterentwicklung. Nur so lassen sich Hürden erkennen, bevor sie in Beton, Code oder Druckerzeugnissen verankert werden. Das Prinzip „Nothing about us without us“, das aus der internationalen Behindertenrechtsbewegung stammt, gilt längst auch für Wirtschaft und Verwaltung in der Schweiz.

In der Praxis zeigt sich: Wer Betroffene früh einbindet, spart nicht nur teure Nachbesserungen, sondern entwickelt oft bessere Lösungen für alle. Ein , der wirklich hilfreich beschreibt statt nur pflichtgemäss vorhanden zu sein, oder eine Beschilderung mit durchdachten entsteht selten am Reissbrett allein, sondern im Dialog mit denjenigen, die sie täglich nutzen.

Wie Organisationen konkret vorgehen können

Für Unternehmen und Institutionen, die Partizipation ernst nehmen wollen, empfehlen sich mehrere Schritte: frühzeitige Testrunden mit Menschen mit unterschiedlichen Sehbehinderungen, eine faire Entschädigung für deren Expertise, und die Bereitschaft, Feedback tatsächlich in die Gestaltung einfliessen zu lassen – auch wenn das bedeutet, bereits geplante Lösungen nochmals zu überarbeiten. Wichtig ist zudem eine gute Durchmischung: Die Erfahrungen einer Person mit unterscheiden sich von jenen einer Person mit fortschreitendem Sehverlust im Alter.

Blindklusiv unterstützt Organisationen genau an diesem Punkt: Mit unseren Digitale Barrierefreiheit bringen wir echte Nutzererfahrung direkt in Entwicklungsprozesse ein – ob bei Websites, Apps, physischen Produkten oder öffentlichen Räumen. So wird Partizipation vom Lippenbekenntnis zur gelebten Praxis.

  • Partizipation beginnt in der Konzeptphase, nicht erst beim Testen
  • Faire Entschädigung und echte Einflussnahme sind zentral
  • Vielfalt der Sehbehinderungen berücksichtigen

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