Glossar · J
Taktile Jasskarten: Das Schweizer Kartenspiel für alle Sinne
Jasskarten (taktil) sind speziell angefertigte Spielkarten für das beliebte Schweizer Kartenspiel Jassen, die mit ertastbaren Symbolen und Kennzeichnungen versehen sind, damit auch blinde und stark sehbeeinträchtigte Menschen das Spiel eigenständig spielen können. Dabei werden Kartenwert und Farbe durch taktile Punkte, Prägungen oder Brailleschrift markiert. So wird ein zentrales Stück Schweizer Kultur für alle zugänglich.
Wie funktioniert Jasskarten (taktil)?
Bei taktilen Jasskarten werden die für das Jassen relevanten Informationen – Kartenfarbe (Schellen, Schilten, Rosen, Eicheln oder Kreuz, Pik, Herz, Karo) und Kartenwert – zusätzlich zur gedruckten Darstellung ertastbar gemacht.
Gebräuchliche Methoden sind:
- Prägungen oder Reliefpunkte, die Farbe und Wert einer Karte eindeutig codieren, ähnlich wie bei einer .
- Braille-Kennzeichnungen in einer Ecke der Karte, lesbar mittels .
- Unterschiedliche Kartenformen oder eingekerbte Ränder, die eine schnelle Unterscheidung ohne langes Ertasten ermöglichen.
Damit lässt sich das Spiel im Wesentlichen unverändert spielen, einzig das Erkennen der Karten erfolgt über den Tastsinn statt über das Sehen.
Warum ist Jasskarten (taktil) wichtig?
Taktile Jasskarten sind weit mehr als ein einfaches Hilfsmittel, sie ermöglichen gesellschaftliche Teilhabe an einem zentralen Stück Schweizer Kultur.
- Gesellschaftliche Teilhabe: Jassen ist in der Schweiz tief verwurzelt, etwa im Familien- und Freundeskreis oder in Vereinen.
- Gleichberechtigtes Mitspielen: Blinde und sehende Personen können gemeinsam am selben Tisch spielen, ohne dass jemand benachteiligt ist.
- Förderung sozialer Kontakte: Gemeinsame Freizeitaktivitäten stärken Beziehungen und bauen Berührungsängste ab.
- Training der Feinmotorik: Das Ertasten der Symbole schult zugleich die taktile Wahrnehmung.
Solche alltagsnahen Hilfsmittel eignen sich hervorragend, um Berührungsängste abzubauen, etwa im Rahmen des Sensibilisierungskoffers von Blindklusiv, der oft auch taktile Spielmaterialien enthält.
Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen
Taktile Jasskarten sind ein spezifisches Anwendungsbeispiel für die , also die Fähigkeit, Informationen über den Tastsinn zu erfassen und zu verarbeiten. Verwandt, aber nicht identisch ist die , bei der es primär um das Erkennen und Zuordnen von Formen und Mustern per Gedächtnisleistung geht, während bei Jasskarten zusätzlich Spielregeln und strategisches Denken eine zentrale Rolle spielen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Kann man mit taktilen Jasskarten auch mit sehenden Personen spielen?
Ja, taktile Jasskarten sehen von vorne meist identisch aus wie gewöhnliche Jasskarten, sodass sehende und blinde Personen problemlos gemeinsam am selben Tisch spielen können.
Wo bekommt man taktile Jasskarten?
Solche Karten sind über spezialisierte Fachgeschäfte für Blindenhilfsmittel sowie teilweise über Blindenorganisationen erhältlich.
Müssen taktile Jasskarten extra angelernt werden?
Eine kurze Eingewöhnungszeit ist sinnvoll, um die taktilen Symbole für Farbe und Wert sicher zu erkennen, danach lässt sich das Spiel wie gewohnt spielen.