Glossar · M
Multisensorisches Lernen: Mit mehreren Sinnen erfolgreich lernen
Multisensorisches Lernen ist eine didaktische Methode, bei der Lerninhalte gleichzeitig über mehrere Sinneskanäle wie Hören, Tasten, Sehen und Bewegung vermittelt werden. Für Menschen mit Sehbehinderung ersetzt dabei häufig der Tastsinn oder das Gehör den visuellen Kanal, ohne dass der Lerninhalt an Tiefe verliert. Diese Methode verbessert nachweislich das Verständnis und die Behaltensleistung, da Informationen auf verschiedenen Wegen im Gehirn verankert werden.
Wie funktioniert Multisensorisches Lernen?
Multisensorisches Lernen kombiniert bewusst unterschiedliche Sinneskanäle, damit Lerninhalte auf mehreren Ebenen gleichzeitig verarbeitet werden. Fällt ein Sinneskanal wie das Sehen aus, übernehmen andere Kanäle einen grösseren Anteil der Informationsvermittlung.
Praktische Umsetzungen multisensorischen Lernens umfassen:
- Taktile Materialien: Reliefkarten, Noppenplatten oder ertastbare Piktogramme vermitteln räumliche und visuelle Inhalte über den Tastsinn.
- Akustische Elemente: Hörbücher, Vorlesegeräte oder gesprochene Erklärungen ergänzen schriftliche Inhalte.
- Bewegung und Handlung: Aktives Ausprobieren und Nachbauen verstärkt das Verständnis abstrakter Konzepte.
- Kombination der Kanäle: Am wirksamsten ist der gleichzeitige Einsatz mehrerer Sinne, etwa ein taktiles Modell mit begleitender Audiobeschreibung.
Diese Methode wird sowohl in der schulischen Bildung als auch bei Erwachsenenbildung und Sensibilisierungsarbeit erfolgreich eingesetzt.
Warum ist Multisensorisches Lernen wichtig?
Multisensorisches Lernen ist besonders für Menschen mit Sehbehinderung von grosser Bedeutung, da es Lerninhalte zugänglich macht, die sonst rein visuell vermittelt würden.
- Bessere Merkfähigkeit: Informationen, die über mehrere Sinne aufgenommen werden, bleiben nachweislich besser im Gedächtnis.
- Individuelle Anpassung: Jede Person kann den für sie am besten zugänglichen Sinneskanal stärker nutzen.
- Höhere Motivation: Abwechslungsreiches, aktives Lernen wirkt oft motivierender als rein passives Zuhören oder Lesen.
- Aufwand: Die Erstellung multisensorischer Materialien ist zeitintensiver, was bei der Ressourcenplanung berücksichtigt werden muss.
Bei den Sensibilisierungsanlässen von Blindklusiv, unter anderem mit dem Sensibilisierungskoffer, kommen ebenfalls mehrere Sinne gleichzeitig zum Einsatz, um Erfahrungen erlebbar zu machen.
Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen
Multisensorisches Lernen ist eine konkrete didaktische Methode innerhalb der übergeordneten , die den gesamten pädagogischen Rahmen für gemeinsames Lernen beschreibt. Es baut zudem auf der auf, die als sensorische Grundlage erklärt, wie Informationen über den Tastsinn verarbeitet werden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist multisensorisches Lernen nur für Menschen mit Sehbehinderung geeignet?
Nein, die Methode ist für alle Lernenden wirksam, da sie generell das Verständnis und die Merkfähigkeit verbessert, unabhängig von einer Beeinträchtigung.
Welche Materialien eignen sich für multisensorisches Lernen bei Sehbehinderung?
Bewährt haben sich taktile Reliefmodelle, Hörbücher im DAISY-Format, ertastbare Piktogramme sowie Kombinationen aus Audiobeschreibung und Tastmaterial.
Kann multisensorisches Lernen auch in der Erwachsenenbildung eingesetzt werden?
Ja, die Methode eignet sich für alle Altersgruppen und wird beispielsweise auch in Schulungen und Sensibilisierungsformaten für Erwachsene erfolgreich genutzt.